Dreifache Zahnanomalien bei meiner Tochter. Befund und Planung (-soptionen).

Bei meiner Tochter (9 Jahre) fiel mir nach Durchbruch 42 eine Zahnanomalie – Doppelanlage mit paralleler Zahnverschmelzung – auf. Nach Erstellung eines OPG im Jahr 2013 (s.o.) entdeckte ich zu meiner Erleichterung, dass die Gemination sich nur auf den Kronenbereich beschränkt. Leider wurde diese Erleichterung durch Entdeckung zweier zusätzlicher Nichtanlagen 35 sowie 45 wieder relativiert. Darüber hinaus kann ich auch noch nicht einmal (wie es jede Frau gerne ab und an mal tut) meinen Mann verantwortlich machen, denn die familiäre Disposition liegt allein auf meiner Seite, ergo: Alles »etwas« suboptimal gelaufen! ;-)

Dreifache Zahnanomalien bei meiner Tochter: Doppelanlage mit Zahnverschmelzung, zusätzlich zwei Nichtanlagen. Ergo: Alles »etwas« suboptimal...

Wie sieht nun (neben den oben genannten Anomalien) der gesamte Befund aus?
Normalbreite OK/UK, sagitale Frontzahnstufe 3mm, Distalbiss (1/4 Pb), leichter frontaler Engstand im OK, 3mm Tiefbiss, 8er Anlagen noch nicht erkennbar, normaler altersbedingter Zahnwechsel und gut entwickelte Wurzeln 75 und 85, funktionell gutes Gebiss, en face und Profil perfekt.

Wenn wir uns diesen Befund anschauen, ergeben sich aus meiner Sicht hiermit folgende fünf Optionen, hier gestaffelt nach meiner Präferenz in umgekehrter Reihenfolge:

1. Extraktionstherapie Variante A

Behandlung: Extraktion 75 und 85, Zahn 42 bleibt in seinem jetzigen Zustand bestehen, Multibandbehandlung OK/UK, Lückenschluß UK von distal.

Vorteile: Schaffung eines ästhetischen und harmonischen Gesichtsprofils mit eingeschränkter Einstellung der Kieferbasen in einer bedingt gesicherten Regelokklusion, Lückenschluß, keine Überempfindlichkeit des Zahnes 42 durch Beschädigung des Zahnschmelzes wegen nicht erfolgter Separation.

Nachteile: Ungleichgewicht der Stützzonen 17 /47 und 27/37 durch unterschiedliche Anzahl an Zähnen OK/UK, daher könnten sich zu entwickelnde 8er Anlagen beandlungsrelevant sein, beeinträchtigte en face Ästhetik durch Belassung von Zahn 42 mit einhergehender MLV UK, gesicherte Eckzahnführung beeinträchtigt, bedarf guter Mitarbeit von Seiten des Patienten (bei meiner Tochter momentan gegeben).

2. Extraktionstherapie Variante B

Behandlung: Extraktion 15, 25, 75 sowie 85, Separation und Extraktion des überzähligen Zahnes 42, Multibandbehandlung OK/UK, Lückenschluß im UK von distal und OK von mesial.

Vorteile: Schaffung eines ästhetischen und harmonischen Gesichtsprofils mit Einstellung der Kieferbasen in einer gesicherten Regelokklusion, gesicherte Stützzonen, Sicherstellung einer en face Ästhetik durch Separation von Zahn 42, gesicherte Eckzahnführung, gesicherte ML, Risiko sich evtl. nicht entwickelnder 8er Anlagen irrelevant.

Nachteile: Verlust von zwei gesunden Zähnen OK, gffs. erhöhte Überempfindlichkeit des Zahnes 42 durch Beschädigung des Zahnschmelzes bei der Separation, bedarf guter Mitarbeit von Seiten des Patienten (bei meiner Tochter momentan gegeben).

 

3 a). Extraktionstherapie Variante C 1

Behandlung: Extraktion 75 und 85, Zahn 42 bleibt in seinem jetzigen Zustand bestehen, Multibandbehandlung UK und ggfs. OK, verringerter Lückenschluß im UK rechts und links auf 1Pb von distal, anschließend Platzhalter UK bis zur Endversorgung durch Implantate.

Vorteile: Schaffung eines ästhetischen und harmonischen Gesichtsprofils mit eingeschränkter Einstellung der Kieferbasen in einer bedingt gesicherten Regelokklusion (unter Zuhilfenahme von Implantaten, ggfs. Brückenversorgung), keine Überempfindlichkeit des Zahnes 42 durch Beschädigung des Zahnschmelzes wegen nicht erfolgter Separation, Risiko sich evtl. nicht entwickelnder 8er Anlagen irrelevant, geringer(er) kieferorthopädischer Aufwand.

Nachteile: Beeinträchtigte en face Ästhetik durch Belassung von Zahn 42 mit einhergehender MLV UK, gesicherte Eckzahnführung beeinträchtigt, vorübergehend nicht gesicherte Stützzonen im prämolaren Bereich, wesentlich späterer Behandlungsbeginn (um die Knochensubstanz erhalten zu können), höherer finanzieller Aufwand für den Patienten durch Implantate (= mögliche Hemmnisse bei der Planbesprechung), bedarf guter Mitarbeit von Seiten des Patienten (bei meiner Tochter momentan gegeben).

 

3 b). Extraktionstherapie Variante C 2

Behandlung: Extraktion 75 und 85, Separation und Extraktion des überzähligen Zahnes 42, Multibandbehandlung UK und ggfs. OK, Schließen des Lücke im UK Frontzahnbereich und verringerter Lückenschluß im Bereich 35 und 45 auf mind. 1Pb von distal, anschließend Platzhalter UK bis zur Endversorgung durch Implantate.

Vorteile: Schaffung eines ästhetischen und harmonischen Gesichtsprofils mit Einstellung der Kieferbasen in einer gesicherten Regelokklusion (unter Zuhilfenahme von Implantaten, ggfs. Brückenversorgung), Sicherstellung einer en face Ästhetik durch Separation von Zahn 42, gesicherte Eckzahnführung, gesicherte ML, Risiko sich evtl. nicht entwickelnder 8er Anlagen irrelevant, geringer(er) kieferorthopädischer Aufwand.

Nachteile: Vorübergehend nicht gesicherte Stützzonen im prämolaren Bereich, gffs. erhöhte Überempfindlichkeit des Zahnes 42 durch Beschädigung des Zahnschmelzes bei der Separation, wesentlich späterer Behandlungsbeginn (um die Knochensubstanz erhalten zu können), höherer finanzieller Aufwand für den Patienten durch Implantate (= mögliche Hemmnisse bei der Planbesprechung), bedarf guter Mitarbeit von Seiten des Patienten (bei meiner Tochter momentan gegeben).

 

4. Das Rheinische Grundgesetz: »Et hätt noch emmer joot jejange« (Non-Extraktionstherapie)

Behandlung: Zahn 42 bleibt in seinem jetzigen Zustand bestehen, FKO oder/ und Multibandbehandlung UK und OK, ggfs. späterer Kronenaufbau 75 und 85.

Vorteile: Schaffung eines ästhetischen und harmonischen Gesichtsprofils mit einer eingeschränkten Einstellung der Kieferbasen in einer bedingt gesicherten Regelokklusion, keine Überempfindlichkeit des Zahnes 42 durch Beschädigung des Zahnschmelzes, geringer kieferorthopädischer Aufwand, frühzeitiger Behandlungsbeginn und -abschluss, geringst invasive Behandlungsmethode aller o.g. Optionen, bedarf (im Verhältnis zu o.g. Optionen) einer geringeren Mitarbeit von Seiten des Patienten.

Nachteile: Beeinträchtigte en face Ästhetik durch Belassung von Zahn 42 mit einhergehender MLV UK, gesicherte Eckzahnführung beeinträchtigt, Risiko sich nicht entwickelnder 8er Anlagen bei vorzeitigem Verlust der Milchzähne.

 

Die Qual der Wahl…

Da ich ja alle o.g. Behandlungsoptionen nach meiner Präferenz in umgekehrter Reihenfolge gestaffelt habe, wird Ihnen als aufmerksamer Leser nicht entgangen sein, für welche Option ich mich schließlich entschieden habe: Die Letzte.

Wenn Sie mich näher kennen, wären Sie sicherlich überrascht, denn ich bin mit der Begg-Therapie groß geworden – und Sie wissen ja, was Begg heißt: Kippen, Aufrichten und »alles« Ziehen, was nicht bei drei vom Stuhl ist. :D

Es ist meine tiefste Überzeugung, dass wir - wo immer es die fachliche Notwendigkeit erlaubt - der Natur in diesem Rahmen ihren Lauf lassen sollten.

Also, warum die letzte Option? Natürlich sind mir die o.g. Nachteile auch und besonders als Mutter mehr als bewußt. Gleichzeitig überwiegen für mich hier dennoch die Vorteile bei weitem, insbesondere in Anbetracht der Alternativen (die zudem das ja bereits perfekte en face Profil meiner Tochter mit ihrem entzückendem Kussmund negativ beeinflussen würden). Und über das eben Gesagte hinaus schlägt die familiäre Disposition durch meinen Vater dem Schicksal hier diesmal im Positiven ein Schnippchen, denn er ist mit 74 Jahren immer noch stolzer Besitzer seines Milchzahnes.

So bin ich guter Hoffnung, dass meiner Tochter ihre Milchzähne ebenso erhalten bleiben. Sollte hier eine Wurzelresorption auftreten, so bleibt stets das Fundament für Implantate oder der eines kieferorthopädischen Lückenschlusses, wie ich ihn in einer der o.g. Optionen beschrieben habe.

 

Nota bene:

Wir leben (nicht nur, aber auch in der KFO) in einer Welt des Perfektionismus. Wo Perfektionismus und damit der Anspruch an unsere eigene tägliche Arbeit und damit das Können, die absolute Maxime unseres Handelns sein muss (und das ganz egal, ob wir in der KFO oder z.B. als Statiker arbeiten – denn möchten Sie, dass Ihr Haus morgen einstürzt, weil die »Stützzonen« vergessen wurden?), sollten wir aber nie mit einem Perfektionismus einhergehen, der sich allein auf Moden und Ästhetik – oder besser: Trends der Ästhetik – reduziert. Es ist meine tiefste Überzeugung, dass wir – wo immer es die fachliche Notwendigkeit erlaubt – der Natur in diesem Rahmen ihren Lauf lassen sollten. Wenn wir dies nicht beherzigen, verließe jeder Patient die Praxis z.B. mit einem »Stefan Raab«-Lächeln. Doch Trends gehen, wie Stefan Raab es ebenso tat.

Letztlich sind mir minimal invasive Behandlungsmethoden – wo immer fachlich möglich – noch immer die liebsten. Sie mögen es mir nachsehen, aber vielleicht ist dies eben nur meine ganz eigene Philosophie innerhalb o.g. Perfektionismus…

 

Habe ich eine Option vergessen? Und wie hätten Sie in meiner Situation entschieden? Lassen Sie es uns und Ihre Kollegen wissen und schreiben Sie es unten in die Kommentarbox. Ich werde den Artikel dann entsprechend Ihrer Empfehlungen ergänzen. Sie wissen ja: Gemeinsam. Stärker.

Vielen Dank dafür! Ganz besonders im Namen meiner kleinen Tochter…

Und wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Bitte teilen!

Melanie Rüscher

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